10 Jahre Ankyra - 10 Jahre Unterstützung für Menschen mit traumatischen Fluchterfahrungen

Donnerstag, 15. Mai 2014
Ankyra - Einrichtung des Diakonie Flüchtlingsdienst in Innsbruck - feiert 10 jähriges Bestehen
Ankyra - Einrichtung des Diakonie Flüchtlingsdienst in Innsbruck - feiert 10 jähriges Bestehen
Am 15.5.2014 feiert das Zentrum für interkulturelle Psychotherapie „Ankyra“ sein 10-jähriges Bestehen in Tirol.

Vor 10 Jahren war Ankyra in zweifacher Weise in Tirol neu: als erste Einrichtung des Diakonie Flüchtlingsdienstes in Tirol und als erste Einrichtung, die Flüchtlingen in der Region Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung ermöglichte.

Bei traumatischen Fluchterfahrungen hilft Psychotherapie

Schon am ersten Arbeitstag war klar: Flüchtlinge, die nach ihrer meist langen und traumatischen Flucht in Österreich ankommen, haben oft großen Bedarf an professioneller Unterstützung bei der Bearbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse und bei der Bewältigung des Lebens in Österreich. Die Unterstützungsangebote bei Ankyra wurden über die Jahre stetig und steigend in Anspruch genommen. Für Frauen, Kinder und Jugendliche wurden bald zusätzlich zur Einzeltherapie Gruppentherapie angeboten: Reittherapie- und Kunsttherapiegruppen für Flüchtlingskinder, Psychodramagruppen und Selbstbehauptungsgruppen für Flüchtlingsfrauen.

Eine zweite Zielgruppe kam bereits im ersten Arbeitsjahr auf Grund des drängenden Bedarfs dazu: MigrantInnen, die auf Grund von Sprachbarrieren keinen Zugang zur Psychotherapie haben.

10 Jahre Arbeit für Menschen mit traumatischen Fluchterfahrungen

Die Arbeit wird mit einem Team von PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen und DometscherInnen für 23 Sprachen geleistet. In den 10 Jahren konnten Menschen aus 60 Ländern die Angebote in Anspruch nehmen. Waren es im ersten Arbeitsjahr 116 Menschen, die Behandlung in Anspruch nahmen, so waren es 4 Jahre später bereits 274 KlientInnen. Im vergangenen Jahr 2013 begleiteten PsychotherapeutInnen und MedizinerInnen 303 Frauen, Männer und Kinder.

„In 10 Jahren konnte ein fundiertes Unterstützungsangebot für Flüchtlinge bei der Bewältigung psychischer Krisen und Traumatisierungen aufgebaut und etabliert werden. Trotz extremer Gewalterfahrungen im Krieg, durch Folter und Gefängnis finden Menschen wieder zu ihrer Kraft und erfahren Linderung ihrer Beschwerden“, so Claudia Baldeo, Psychotherapeutin des Zentrums.

Was Ankyra sich für die nächsten 10 Jahre wünscht

„Obwohl wir unser Angebot nun seit 10 Jahren etablieren konnten, können wir leider mit unseren Ressourcen nicht sofort für alle, die Hilfe brauchen, da sein. Flüchtlinge warten derzeit ein halbes Jahr auf einen Therapieplatz. Für MigrantInnen, die Dolmetschunterstützung brauchen, ist die Wartezeit noch länger,“ so Gabriele Mantl, die Leiterin von Ankyra.

Anlässlich von 10 Jahren Ankyra muss deshalb darauf hingewiesen werden, dass das Angebot ausgebaut und langfristig abgesichert werden müsste.  Ein weiteres sehr ernstes Faktum ist auch, dass die Rahmenbedingung zur Heilung für Flüchtlinge in Österreich ungeeignet sind:

„Die Unsicherheit, ob man bleiben darf, das enge Leben in Heimen, der fehlende Zugang zum Arbeitsmarkt verschlechtern den Gesundheitszustand unserer Klientinnen und Klienten. Während Menschen in Österreich zunehmend an Burn-out-Erkrankungen leiden, führt bei Asylwebenden das Zuviel an Zeit, an Warten und an erzwungenem Nichtstun zu Krankheiten“, macht Mantl deutlich.

„Asylsuchende brauchen, um genesen zu können, Schutz und positive Aufnahme in Österreich. Sie brauchen sinnvolle Tätigkeit und Kontakt zur Bevölkerung“, betont die Leiterin von Ankyra, Gabriele Mantl.