Facharbeiter in Österreich ausbilden. Facharbeiter in Österreich einsetzen!

Dienstag, 22. Juni 2021
Starthilfe für geflüchtete Menschen ©Nadja Meister/Diakonie Flüchtlingsdienst
Starthilfe für geflüchtete Menschen ©Nadja Meister/Diakonie Flüchtlingsdienst
Recht auf Bildung und Ausbildung für Kinder und Jugendliche im Asylverfahren

"Es kann nicht sein, dass in Österreich lebende jugendliche Asylsuchende buchstäblich auf der Bettkante sitzen müssen und warten, bis sie erwachsen werden. Alle Jugendlichen müssen einen Zugang zu Bildung und Ausbildung über die Pflichtschulzeit hinaus haben", fordert die Direktorin der Diakonie, Maria Katharina Moser, anlässlich des diesjährigen Weltflüchtlingstages.

Asylsuchende Jugendliche haben in Österreich einen extrem erschwerten Zugang zu Bildung und Ausbildung. Denn wer über das schulpflichtige Alter hinaus ist, hat keinen Anspruch auf den Besuch einer höherbildenden Schule. Und seit 2018 die damalige Sozial- und Arbeitsministerin Beate Hartinger-Klein die Regelung ihres Vorgängers Rudolf Hundstorfer gekippt hat, dürfen sie auch keine Lehre in einem Mangelberuf mehr beginnen.

„Und das, obwohl Österreich der europarechtlichen Verpflichtung unterliegt, spätestens nach neun Monaten Asylverfahren in erster Instanz einen Zugang zum Arbeitsmarkt sicher zu stellen“, so Moser.

Es herrscht trotz Corona ein Facharbeitermangel

Die Corona-Pandemie hat am Facharbeitermangel nichts geändert. Schon davor waren viele Betriebe froh, dass sie über die Schiene `Lehrlinge im Asylverfahren´ Facharbeiter ausbilden konnten, und wollten ihre Lehrlinge nach dem Lehrabschluss jedenfalls weiterbeschäftigen. Seit dem sogenannten "Lehrlingskompromiss" vom November 2019 ist es so, dass Lehrlinge zwar ihre Lehre auch mit einem negativen Asylbescheid noch beenden dürfen. Ab dem Tag der Lehrabschlussprüfung können sie aber jederzeit abgeschoben werden. „Das ist absurd“, unterstreicht die Diakonie Direktorin.

Die Diakonie fordert eine zukunftsorientierte Lösung ein

„Der erfolgreiche Abschluss einer Ausbildung soll in Zukunft auch zu einem Aufenthaltstitel führen“, betont Moser. „Niemand versteht, dass Österreich fieberhaft versucht, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben, und gleichzeitig diejenigen, in deren Ausbildung österreichische Betriebe investiert haben, abschiebt.

Das widerspreche nicht nur der menschlichen Vernunft, sondern auch jeder wirtschaftlichen Logik. Denn Österreich hat ein wirtschaftliches Interesse daran, dass die jungen Facharbeiter:innen ihre erworbenen Fähigkeiten auch einsetzen können.